Die Diskussion über den Amoklauf von Winnenden ist sehr schnell auf die Killerspiel-Diskussion umgeschwenkt. In dem folgenden Artikel werden die journalistischen Reaktionen des Spiegels auf den Amoklauf hinterfragt – ein Beispiel für die einseitige und populistische Recherche des Magazins, insbesondere hierbei die Ausgabe 12/09 und der Artikel über den offenen Brief von Winnenden. Weiterhin werden Punkte besprochen und vor allem die Kehrseite der Medaille, d.h. Fakten, Untersuchungen und Meinungen genannt, die dem Phänomen Video Games positiv entgegentreten. Auch das Thema Online-Spielsucht muss kritisch angegangen werden, da durch eine sinnlose Verbindung der Themen, World of Warcraft zu einem Killerspiel gemacht wird.
Tag Archive for 'aufklärung'
,,Daraus spricht mehr als nur Dummheit oder Desinteresse. Hier verbirgt sich das eigentliche Problem: eine totale und selbstgefällige und unerschütterliche Ignoranz gegenüber jugendlichen Lebenswelten.“
Arno Frank – taz.de
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Ein Recht auf Informationen – doch zu welchem Preis?
Die letzten Wochen haben wieder auf tragische Weise gezeigt, dass in Deutschland viel Aufklärungsbedarf besteht. Nachdem die Medien die Pressefreiheit offenbar als Freischein für ihren ganz persönlichen Amoklauf sehen, sind viele fassungslos. Eiskalt und fernab jeglicher Berufsethik wird über alles berichtet, was man in die Finger bekommt. Und so musste es ja kommen das wieder einmal die Schuld auf die so genannten “Killerspiele” geschoben wird. Spiele wie Counter-Strike in dem man, so glaubt man einigen Medien, wie ein blutrünstiges Monster agiert; immer auf der Suche nach dem nächsten Opfer. Und just in diesem Augenblick treten auch wieder einige Politiker auf den Plan, die auf diesen Zug aufspringen und mit blindem Aktionismus nach verboten schreien. Jede Gelegenheit wird, seitens der Medien, genutzt, dem Nachdruck zu verleihen. So betitelt man den offenen Brief der Hinterbliebenen von Winnenden mit Überschriften wie “Familien von Winnenden fordern Killerspiel Verbot”, obwohl dies nur einer kleiner Teil des offenen Briefes ist.
Auswirkungen für den eSport
Die Auswirkungen dieser regelrechten Hetzjagd habe ich bereits zu spüren bekommen, so bin ich nicht der Einzige aus dem Freundeskreis der des Öfteren gefragt wird, wie man nur solch ein brutales Spiel spielen kann und das so etwas verboten gehört. Aufklärende Versuche werden dabei meist in politischer Manier zerschmettert. Die Hoffnung dass das bevorstehende “IFNG” Stuttgart, gut zwei Wochen nach den schrecklichen Ereignissen, durch die Nebenveranstaltung “Eltern LAN” einen wichtigen schritt zur Aufklärung beitragen kann. Doch hatte man dabei nicht mit der Stadt Stuttgart gerechnet, so wird Stuttgarts Oberbürgermeister in einer Pressemitteilung wie folgt Zitiert:
„Angesichts der Ereignisse und dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden und Wendlingen, bei dem 15 Menschen getötet wurden, können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren“.
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Über das Ziel hinaus schießen
Spätestens nach den ersten Meldungen der Medien, die ein reges Interesse an diesem Thema haben, in denen es z.B. heißt ,,Keine Computer-Spiel Nacht […] dort sollte unter anderem auch das als Killerspiel kritisierte Counter-Strike und Warcraft 3 gespielt werden.”, wird klar: Recherche Fehlanzeige. Leider ist dieser Schritt der Stadt, im Nachhinein betrachtet, nur allzu verständlich. Nicht nur um für die Kommunalwahl in Stuttgart zu punkten, nein vielmehr sagen uns die Medien bereits über Jahre hinweg wie böse doch solch Killerspiele, insbesondere Counter-Strike, sind. So hieß es doch erst kürzlich wieder “Die Abläufe von Winnenden haargenau dem entsprechen“. Der blinde Aktionismus der Politiker tut sein übriges. Die Forderungen nach Verboten wurden in den letzten Tagen wieder stärker und so wagt sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann auf sehr dünnes Eis.
“Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.“
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Gegenwind, ob gut oder schlecht…
Die Pressemitteilungen für, aber auch gegen, ein Verbot von „Killerspielen“ häufen sich fortan. Eines gerät dabei allerdings stets in Vergessenheit: Man verunglimpft Wählerstimmen, vor allem Potentielle Wählerstimmen. Ein Großteil der Jugendlichen betreibt das „ballern am Computer“, was es für Außen stehende ist, als Hobby. Und diese wissen ganz genau, das die Medien und Politiker alle ahnungslos sind. Ihr Vertrauen in die Politik, sofern überhaupt vorhanden in der heutigen Zeit, wird rigoros erschüttert. Gerade aus solchen Gründen wählen Jugendliche nicht, warum auch können sie doch nichts ändern. So entsteht Politikverdrossenheit. Doch nicht nur Jugendliche haben teil an der Jugendkultur des elektronischen Sports, kurz eSport. Jener hat seit 2005 unter der Bezeichnung „Killerspiel“ zu leiden. Diese von Politikern gewählte Bezeichnung eines Spiele Genres ist schlichtweg falsch und vermittelt, nicht zu Letzt dank der einseitigen Berichterstattung der Medien, ein völlig falsches Bild über das Hobby von Millionen Deutschen. Schon Günther Jauch merkte vor einigen Jahren an „wenn durch diese so genannten Killerspiele alle zu potenziellen Mördern und Amokläufern werden würden, dann wäre Deutschland nahe zu menschenleer.“
Begriffserklärungen
eSport
Der begriff bezeichnet den Wettkampf im Spielen von Computerspielen im Mehrspielermodus.
„What we do is unique and, most importantly, almost anyone can do it. Not many hobbies get to have that claim. Age, physical ability, sex, creed; not a single one of these things matters in competitive gaming.“ Mike Bembenek – cadred.org
Killerspiel
In der politischen Diskussion wurde der Begriff Killerspiel zunächst für reale Gewaltspiele wie Paintball verwendet. Nach dem Amoklauf von Erfurt im Jahre 2002 wurden damit auch Computerspiele bezeichnet. Beispielsweise der Ego-Shooter “Counter-Strike“.
PEGI und USK
Von diesen beiden Institutionen hat jeder, der sich mit eSport befasst, schon einmal gehört. Pan-European Game Information (PEGI) ist eine Selbstbewertung der Spiele Industrie. Sie verpflichten sich dabei für Käufern und Eltern eine wahrheitsgemäße Beurteilung ihrer Produkte abzugeben. Dieses System, welches im April 2003 eingeführt wurde um den Verkauf von Spielen in Europa zu erleichtern, spricht lediglich eine Empfehlung aus. In Portugal hat man daher kleine Anpassungen an die Gesetze vorgenommen, im Vereinigten Königreich müssen die Spiele jedoch durch das British Board of Film Classification (BBFC) geprüft und mit einer Altersfreigabe gekennzeichnet werden. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist in Deutschland die verantwortliche Stelle für die Alterskennzeichnung von Spielen. Seit 1994 prüft die USK bereits Spiele, sprach dabei aber bis 2003 ebenfalls nur Empfehlungen aus. Seit April 2003 müssen die spiele durch die USK geprüft und eingestuft werden. Dabei gibt es allerdings auch Lücken im System, so können von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) keine Spiele Indiziert werden, die von der USK gekennzeichnet wurden.
Verwendete Quellen:
Electronic Sports League – ESL
Spieleratgeber NRW
Wikipedia
Pan-European Game Information – PEGI
Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle – USK
Interessante Links zum Thema
Interview mit Neurowissenschaftler Dr. Thorsten Fehr – “[…] das ein, ich sag mal, ganz plattes verbot von Gewaltmedien das Pferd vom Schwanz auf zäumt und das wahre Problem aus den Augen verliert.”
Panorama – Raubzug im Internet – “Winnenden war auch ein Amoklauf der Medien”
stigma Videospiele – Aufklärungsprojekt bekannt geworden durch einen Videobeitrag 2007
Herzlich willkommen auf GameEarth.Org, einem neuen Blog über eSport, MMORPGs und Video Games. Hier werdet ihr Blog-Artikel in regelmäßigen Abständen finden, die über aktuelle Entwicklungen berichten.
Neutral und Kritisch
Wer denkt das der eSport von der Finanzkrise verschont bleibt, wurde unlängst auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Sei es durch die zurückhaltende Haltung einiger Sponsoren oder der Insolvenz von ESNation. Ja sogar das Schicksal des ESWC Grand Finals steht derzeit in den Sternen. Doch nicht nur die Finanzen bereiten den Verantwortlichen der eSport Welt dieser Tage Kopfzerbrechen. Medien und Politik zeigen uns mit ihrer Unwissenheit wieder, wie weit wir doch von der Akzeptanz in der Gesellschaft entfernt sind. Einmal mehr ist Aufklärungsarbeit gefragt, doch wir sollten nicht darauf warten das dies jemand für uns tut, denn dann könnte es zu spät sein. Vielmehr müssen wir selbst aktiv werden, den Medien ihre Fehler aufzeigen.
Um den Diskurs der Generationen konstruktiv gestalten zu können, bedarf es Erwachsener (insbesondere Eltern), die die jungen Spieler ernst nehmen, versuchen deren Interessen zu verstehen und die ihre Kritik mit alternativen und für Kinder und Jugendliche stimmigen Angeboten verknüpfen. ~ Spieleratgeber-NRW

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