Generationenkonflikt und Politikverdrossenheit

Wer hat es noch nicht gehört: Die heutige Jugend ist faul, hat kein Interesse an Politik und früher war doch sowieso alles besser. Diese Schlagwörter gab es in jeder Generation seit den glorreichen preußischen Paradegenerationen, sei es der Rock’n’Roll, der Minirock oder seit ein paar Jahren das Internet. Die Welt geht vor die Hunde und nur die unter 30 Jährigen sind daran schuld. Gründe dafür sind schnell gefunden, einfach die Unterschiede zwischen der heutigen Jugend und allen anderen anschauen.

Was wird der heutigen Jugend vorgeworfen?

Viele Vorwürfe kommen nicht mal von den „Spießern“ der Nachkriegszeit, sondern von den 68ern. Die Generation, die gegen alles und jeden auf die Strasse gegangen ist, die alles in Frage gestellt hat, die den Kommunismus interessant fand und sich vom spießigen Lebensstil der Eltern lossagte. Damals hat man in Woodstock soviel gefeiert und versucht die Welt zu ändern. Im Gegensatz zu der heutigen Generation, die das alles nicht macht und keine Meinung hat, nicht die alte Generation herausfordert, sie ist nicht so toll wie die 68er!

Doch wir sind auf die Straßen gegangen: gegen den Irak-Krieg Dann gab es auch Live Earth, unser Woodstock, wir standen im Regen in Hamburg und haben uns für die Umwelt Musik angehört. Organisiert von Al Gore einem 68er und Musik von Cat Stevens, klar, das waren natürlich wieder nur die 68er, die die Welt retten wollen. Demonstrationen und Musik sind Eigentum der 68er.

Damit könnte man leben, wenn es nicht zur Politikverdrossenheit kommen würde. Denn nur mit Demonstrationen ist es möglich seine Meinung zu äußern – gemäß den „alten“ Generationen. Betrachtet man jedoch die letzten Monate, dann kommt man eher zu der Meinung, dass gar nichts hilft: Eine Rekord-Petition von über 130.000 Stimmen wird von den Politikern gekonnt ignoriert, Demonstrationen von ca. 500 jungen Leuten gegen eine Absage eines friedlichen Events wird zwar erlaubt, aber bekommt keine Medienpräsenz. Vertreter dieser Gruppierungen werden in den Medien angehört, jedoch von den erfahrenen Medienvertretern auseinandergenommen und diskreditiert. Und wenn man seinem Abgeordneten schreibt, dann gibt es entweder keine Antwort oder nur eine Antwort, die seine Inkompetenz offenbart. Wenn daraus keine Politikverdrossenheit oder sogar Politikekel folgt, was dann?

Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, Internet begann mit einer Herausforderung des Datenschutzes; Stichwort Piraterie, daraus wurde eine Diskussion um die privaten Grundrechte. Zensursula und Schäuble würden uns gerne zu einem gläsernen Menschen machen, wie in Brave New World und 1984. Durch sein Internetverhalten soll der Bürger getracked werden und wenn er sich falsch verhält, kommt der grüne Mann und nimmt ihn mit. Warum rügt die EU-Kommission China wegen eines solchen Vorgehens und Deutschland darf die Kopenhager Kriterien brechen? Genau die Kriterien, warum die Türkei kein Mitglied der EU ist. Aus politischer Sicht hätte Deutschland wohl auch geringe Chancen mitzumachen, denn die Wahrung der Menschenrechte und Bürgerrechte sowie Achtung und Schutz von Minderheiten ist nicht immer gegeben. Was bleibt einem übrig, wenn Mittel und Wege zur Meinungsäußerung genommen werden und gegen ihn verwendet werden? Denn das, was unsere Generation groß gemacht hat, macht es auch so verwundbar – unfähig die alten Mittel, wie Demonstrationen zu verwenden. Die Dezentralisierung macht es schwierig eine Demonstration zu organisieren und die Leute zu mobilisieren, denn virtuelle Unterschriften (Petitionen) werden nicht einmal zur Kenntnis genommen.

Das einzige Mittel, was zum Protest noch bleibt, ist zugleich das mächtigste aller Mittel und Grundstein der Demokratie: die Wahlen, deshalb bitte ich euch, geht wählen!

2 Responses to “Generationenkonflikt und Politikverdrossenheit”


  • Im Prinzip ist allem zuzustimmen. Interessant sind aber die Punkte, wo zumindest aus Sicht eines Vertreters der Generation 50++ Widerspruch anzumelden ist. Und ein solcher Widerspruch ist durchaus denkbar. Er fängt an mit der Überschrift: Denn zumindest in einem sind sich alle Generationen einig, nämlich in ihrer absoluten Politikverdrossenheit. Die selbstverliebten Politiker, die durch ahnungslos-falsche Politik die Wirtschaftskrise provoziert haben, sind jetzt die gleichen Politiker, die ahnungslos-lustige Rettungsschirme aufspannen, Verschrottungsprämien erfinden, fast per Münzwurf über die „Sanierungswürdigkeit“ von Unternehmen und Tausenden von Arbeitsplätzen entscheiden ….. . Wie dem auch sei: Die Politikverdrossenheit geht quer durch alle Generationen, weshalb eine Veranstaltung wie Live Earth auch generationsübergreifend war – abgesehen davon, dass die Älteren teilweise hinten auf Sitzplätzen saßen, während die jüngeren vorne vor der Bühne im Regen standen.
    Sicher hat jede Generation ihre Eigenheiten: Vielleicht waren es für die Generation 50++ Rock’n’Roll-Fanatismus, Minirock-Verliebtheit und ein grenzenlos-naiver Optimismus, drei Dinge, die (leider) in keiner anderen Generation mehr eine Rolle spielten. Doch es gibt Gemeinsamkeiten: Wir stehen an den Universitäten mit dem Versuch, „Bologna“ zu modernisieren, heute vor den gleichen Problemen wie 1968, als es auch darum ging, aus verschulten und angstbesetzten Studiengängen sowie aus zentral-gesteuerten Macht- und Deutungsmonopolen auszubrechen. Hier ist – auch wenn immer wieder Generationskonflikte aufgebaut werden – eine Situationsidentität zumindest bei der Generation 50++ und Generation 20+ gegeben. Gleiches gilt für die Ökologiebewegung, für Bürgerrechte, für Datenschutz, für Pressevielfalt, die 3.Welt-Thematik und letztlich für fast alle Themen – abgesehen von Musik- und Modepräferenz.
    Irritiert hat die finale Botschaft des Beitrags, wählen zu gehen. Das erscheint zu simpel, angesichts der vielen Hoffnungsträger, die hofffnungsvoll in die Politik gestartet und am Ende doch nur als Selbstoptimierer geendet sind.
    Wir alle haben gegenwärtig (vielleicht nicht mehr lange) wesentlich wirksamere Mittel: Über das Internet mit allen seinen Social-Communities lassen sich nicht nur Party-Bilder und Klingeltöne austauschen. Hier können Meinungen gebildet und multipliziert werden. Das Potenzial, das hier liegt, ist unermeßlich und noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Auch wenn „Rekord-Petitionen“ von Politikern gekonnt ignoriert werden und wenn die Medien gleichgeschaltet politisch-korrekt agieren: Das Internet muss dazu genutzt werden, Informationen auszutauschen und in immer schärfere Argumente zu transformieren. Was wir alle brauchen, das sind Fakten, Fakten, Fakten – und zwar jenseits der traditionellen Medien, die im Regelfall aus Angst vor Politikern und Anzeigenkunden nur ganz bestimmte Aussagen machen (dürfen).
    In der Generation 50++ gab es eine „Ausserparlamentarische Opposition“ – ebenfalls entstanden aus radikaler Politikverdrossenheit. Warum schafft die Generation 20+ nicht ebenfalls eine derartige Plattform, basierend auf dem Internet? Viel Zeit haben wir nicht mehr, denn bald wird es im Internet auch Stoppschilder für politische Meinungsäußerungen jenseits vom parlamentarischen Mainstream geben.

  • guten Mittag einen wircklich guten Blog, generierst du Einnahmen damit ? Ich selber habe für meiner Webseite lange nach Verdienstmoeglichkeiten gesucht aber nichts überzeugendes gefunden. Jetzt bin ich zum Glück auf backlinkseller (siehe: http://j.mp/bRl1Mi ) getroffen, dadurch mache ich schon fast 45 € im Monat. Hättest du vielleicht eine noch bessere Alternative fuer mich ? Waehre echt nett. 354h5j

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